PM 35 – Erneuerbare Energie – gerade in der Krise!

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Bonn, 20.6.2020

 Während der Corona-Pandemie und bei Nothilfe nach dem Wirbelsturm helfen greenap-Projekte – mit erneuerbarer Energie

greenap arbeitet langfristig und ist keine Nothilfe-Organisation. Aber wenn unsere Projekt­regionen von Naturkatastrophen getroffen werden und unsere Partner Nothilfe leisten, dann helfen wir – schnell, effizient und nachhaltig.

Naturkatastrophe während des Lockdown – ein schrecklicher Wirbelsturm:

Zerstörte Häuser auf Ganges-Inseln

Mitten in die Pandemie fällt eine Naturkatastrophe: am 23. Mai 2020 traf Wirbel­sturm „Am­phan“ die Küste von West-Bengal­en mit Windgeschwindigkeiten von 160 kmh. Er war so zer­störer­isch wie ein Super-Zyklon in 2009; die Ministerpräsident­in des Bundes­staates West-Bengalen hält ihn gar für „den schlimm­sten Sturm in Bengalen seit 1737“. Mindest­ens 80 Menschen starben; über 1 Mio. Häuser wurden voll­ständig zerstört, mehr als18 Mio. Menschen sind betroffen. Viele sind nun obdachlos und leben unter Zeltplanen oder dem freien Himmel – kurz vor Beginn des Monsoons.

Es fehlt an sau­berem Trink­wasser, an Toiletten, an medizinischer Ver­sorgung – und an Möglichkeiten, sich vor dem Corona-Virus zu schützen. Deiche sind schwer beschädigt. Die Ernte ist ver­nichtet, Reis­felder sind von salzigem Brackwasser über­flutet. Das ablaufende Wasser hat die Fisch­bestände ins Meer ge­rissen. Zusammen gebrochen sind Mobilfunk und Telefon, das vorher schon lücken­hafte und völlig unzureichende Strom­netz, und das durch Corona heillos überforderte Gesund­heits­wesen. Jetzt rächt sich der Raubbau an den Mangrovenwäldern, die für den Küsten­schutz so wichtig sind, und Abbau von Sand im Flußbett – größtenteils illegal. Das vergrößerte die Schäden – doch Ursache ist der Klimawandel. Unsere Projekt­partnerin Sr. Monica stellt resigniert fest: „Das ist nicht der erste Wirbelsturm, und es wird nicht der letzte sein. Unsere Region war immer besonders betroffen vom Klimawandel.“

Alles verloren - und nur Zeltplanen als Unterschlupf: eine Familie erhält eine Solar-Lampe. Wegen Corona mit HandschuhenAm schwersten getroffen wurde die Region der Sunderbans. Auf den Inseln im Ganges-Delta fördert greenap seit einigen Jahren den Einsatz von tragbaren Solar-Laternen. Sr. Monica und ihr Team sind sofort aktiv geworden: dank schneller Unter­stütz­ung durch greenap konnten bereits in den ersten Tagen nach dem Sturm 85 Familien Solar-Laternen erhalten.

Nicht im Auge des Sturms, aber auch schwer zerstört sind Distrikte westlich von Cal­cutta. Pressefotos zeigen Häuser aus Lehmziegeln, bei denen eine ganze Wand wegge­rissen wurde. „Die Situation ist dort sehr schwierig, und wir haben zusätzlich den lock-down“, schreibt Fr. Franklin. In Midnapore betreibt der greenap-Partner ein Aus­bild­ungs­zentrum. Über 10.000 Lampen wur­den bereits gefertigt, über 400 Frauen und Männer im Bau von Solar-Lampen ausgebildet – überwiegend Adivasi (die indischen „Ur­einwohner“).

Zusammenbau von Solar-Laternen: indische "Ureinwohner" montieren LampenStatt auf Ingenieure und Im­porte von benötigten Lampen angewiesen zu sein, bauen sie ihre high-tech selbst zu­sam­men. Dank etablierter Kontakte konnten in kürzester Zeit Bau­teile für Solar-Lampen beschafft werden. greenap finanziert Material und Montage. Auch das Einkommen, das sie da­durch erhalten, ist wichtig; wegen der Corona-Aus­gangs­sperren gibt es keine anderen Jobs, und die Zu­sam­men­arbeit im Team ist ein wichtiger Schritt zurück in die Normali­tät. Die einge­spiel­ten Produktionsteams der Solar-Technikerinnen machten sich sofort an die Arbeit. Bereits vier Tage nach dem Wirbelsturm konnte durch die schnelle Unterstützung von greenap mit dem Zusam­men­bau von 500 Solar-Lampen begonnen werden, die die Menschen dring­end benötigen.

Nicht nur in der Bucht von Bengalen führt der Klimawandel zu häufigeren und heftigeren Stürmen; auch an der indischen Westküste gab es einen Wirbelsturm. Sehr ungewöhnlich für diese Region – wahrscheinlich der erste heftige Sturm seit mehr als 100 Jahren. Er traf südlich von Bombay auf Land. Auch dort arbeitet greenap mit Solar-Kiosken für Urein­wohner. Berichte über Schäden im Projekt liegen noch nicht vor.

Jetzt warten die Menschen voller Sorge auf den immer unberechenbarer werdenden Monsoon. Wird der Regen ausbleiben, oder wird es Sturzfluten geben, die die junge Saat und Häuser wegschwemmen? Die Landwirtschaft und damit die Existenzgrundlage des größten Teils der Bevölkerung ist ganz direkt dem Klimawandel ausgesetzt.

Auch in den Projekten außerhalb der Katastrophenregion zeigen sich die Vorteile von Erneuerbarer Energie – gerade in Zeiten von Corona. Durch den lock-down sind Liefer­ketten für fos­sile Brennstoffe zusammen gebrochen; wegen der Ausgangsbeschränkung­en ist es kaum möglich, Petroleum oder Brennmaterial zu kaufen. Effiziente Herde vermeiden Husten und Lungenentzündungen – ein Risikofaktor für Corona. Und Solar-Lampen geben weiter zuverlässig Licht, solange die Sonne scheint. In Indien an 300 Tagen im Jahr!

Virus, Armut, Klima – und Wandel

Gerade die Armen sind besonders verletzlich für die Auswirkungen des Klimawandels. Doch der Klimawandel wirkt weltweit – genau wie das Corona-Virus, das erst durch Zer­störung natürlicher Lebensräume und das Eindringen der Menschen von Wildtieren über gesprungen ist. Wenn Katastrophen weltweit wirken, muss auch die Antwort darauf global sein – solidarisch und nachhaltig. Ein wichtiger Baustein dazu: Erneuerbare Energien.

greenap sammelt weiter Spenden für diese Projekte!