PM 34: Wald und Klima Schützen – effiziente Herde für Ureinwohner

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Bonn, 7.12.2019

Wald und Klima schützen mit effizienten Herden –
nachhaltiger kochen für indische „Ureinwohner“

neues Projekt von greenap im hügeligen Hinterland der Ostküste Indiens

Was romantisch aussieht, ist bittere Realität für viele Frauen in Indien: Kochen auf offenem Feuer. Ein alter, qualmender Herd; Unmengen an Feuerholz, das ständig nachgelegt werden muss, und Licht nur von einer alten Petroleum-Lampe. Keine Lagerfeuer-Romantik – Kochen auf Feuerstellen ist jeden Abend harte Arbeit, anstrengend und sehr gefährlich. Weil effiziente Herde fehlen.

Gemmali Geethas neuer Herd

Gemmali Geethas neuer Herd

Gemmali Geetha erinnert sich noch genau, wie sich ihr Leben änderte. „Bis vor 4 Jahren habe ich sehr gelitten unter unseren alten, traditionellen Kochstellen. So viel Qualm – und wenn ich beim Kochen mein Baby im Arm hielt, war es besonders schwierig. Vier Stunden haben wir jeden Tag mit der Suche nach Feuerholz verbracht, nur um unser Essen kochen zu können!“ Dann bekam sie ihren neuen Herd, und alles änderte sich: „Kein Qualm mehr in der Küche. Meine Töpfe kleben nicht mehr vor lau­ter Ruß. Und weil wir für den neuen Herd auch Zweige und kleine Äste nutzen können, müssen wir nicht mehr große Stücke und schwere Feuerholz-Bündel aus dem Wald schleppen – und sammeln unser Brenn­material viel schneller. In nur einer Stunde!“

Gemmali Geetha ist 38 Jahre alt und lebt mit ihrem Mann und ihren zwei Kindern im Dorf Kunthurla, im Bundesstaat Andhra Pradesh an der indischen Ostküste. Wie alle Familien im Dorf gehören sie zu den sog. Adivasi, der indigenen Bevölkerung Indiens (die „Ureinwohner“) von der Ethnie Nuka Dora.

Eine der wenigen lokalen Hilfs­organi­sationen, die in dieser ent­legenen Region arbeitet, kümmert sich auch um den Erhalt der Tradition und der Lebensweise des Adivasi. Dafür verbessert die Organisation den Alltag der Menschen durch angepasste Techno­logie wie effiziente Herde. Ein großes Herd-Programm wurde bereits umgesetzt, von dem auch Gemmali profitieren konnte.

Frau der indischen „Ureinwohner“ mit effizientem Herd

Wegen des großen Erfolges steht jetzt die Ausweitung an – in einer anderen Region des Zielgebietes, und mit verbesserten Herdmodellen. Schon der einfachere der beiden neu­en Herde ist wesentlich effizienter als die traditionellen Kochstellen und reduziert Emis­sion­en und Zeit­aufwand für die Suche nach Brennmaterial – und durch die größere Hitze auch die Kochzeit.

In Zusammenarbeit mit greenap werden nun zunächst 200 Herde eingesetzt. Das Modell „Prakti“ besteht aus Metall, kann schnell aufgestellt werden und ist relativ effizient. Aber es ist deutlich teurer als das Modell „Sarala“ aus Lehm. Sarala ist etwas weniger effizient, kann aber vor Ort hergestellt werden – und damit Herdbauern im Dorf ein Einkommen geben. Beide Modelle haben Vor- und Nachteile hinsicht­lich Kosten, Effizienz, CO2-Reduktion etc. – aber auch bei Koch­gewohnheit­en (ein oder zwei Töpfe), möglich­e Reparatur vor Ort usw. Welcher Herd eignet sich für wel­che Familie? Ge­plant ist des­halb die Effizienz-Messung der Herd­modelle, Daten­sammlung zu Koch­ge­wohn­heiten und verfüg­barer Biomasse als Brenn­material, Dorfversammlungen und Nutzer­befrag­ungen.

Wenn in dieser Projektphase der Nutzen nachgewiesen und dokumentiert wird, werden so die Grund­lagen geschaffen, damit später ca. 10.000 Familien neue Herde erhalten kön­nen – durch externe Finanzierung, und mit cleveren Business-Plänen für lokale Herd­bauer. greenap leistet also eine Anschubfinanzierung, die erhebliche weitere Mittel mobili­sieren wird. So können möglichst viele Menschen die effizienten Herde nutzen.

Gerade die Adivasi profitieren davon. Traditionell leben sie im und vom Wald. Sie schützen ihn, weil sie ihn als Lebens­grundlage brauchen – für ihr kleines Einkommen, ihre Ernährung, und als Wohnort ihrer Götter. Und doch schaden sie ihm durch ihren Bedarf an Feuerholz.

Die kleineren Zweige, Äste und Pflanzenstrünke, die die neuen Herde befeuern, müssen nicht mehr aus dem Wald geholt wer­den: „Wir sammeln am Wegesrand und auf unseren Feldern ein, was wir für das Herdfeuer brauchen“, erzählt Gemmali Geetha. Weil das auch viel schneller geht, hat sie mehr Zeit – auch um im Wald anderes zu sam­meln als Brenn­material. Heilpflanzen zum Beispiel. Früchte und Nüsse, die verkauft werden könn­en. Große Blätter, um daraus einfache Teller zu fertigen. Gerade diese anderen Waldprodukte als Holz können den Adivasi ein dringend benötigtes kleines Einkommen geben. Und so bewirken, dass der Nutzen aus dem Erhalt des Waldes höher ist als sein Brennwert.

So wichtig der Wald für die Adivasi ist – die Verbesserungen im Alltag sind entscheid­end. „Mein Leben hat sich völlig geändert! Ich bin sehr glücklich mit dem neuen Herd, er hat mein Leben einfacher gemacht,“ schwärmt Gemmali. „Und meine Familie ist jetzt viel ge­sünder!“ Viele positive Wirkungen durch einen simpel anmutenden Herd.

Deshalb ist es so wichtig, diese Herde weiter zu verbreiten und das Projekt auszuweiten.

greenap sammelt weiter Spenden für die Umsetzung dieses Projekts.